WSI | Kaum eine Figur ist im sozialpolitischen Diskurs so langlebig wie die des „arbeitsunwilligen Arbeitslosen“. Sie taucht regelmäßig auf, wenn Sozialleistungen reformiert, gekürzt oder stärker konditioniert werden sollen – also die Leistung nur abhängig von der Erfüllung von Pflichten gewährt wird. Aktuell erlebt sie im Zuge der Debatten um das Bürgergeld, eine mögliche „Neue Grundsicherung“ und jüngst auch um die Einführung einer allgemeinen Arbeitspflicht für Leistungsbeziehende – wie sie etwa aus Sachsen-Anhalt gefordert wird – erneut Konjunktur. In politischen Statements, Talkshows und Boulevardmedien wird dabei suggeriert, ein relevanter Teil der Leistungsbeziehenden ziehe staatliche Unterstützung der Erwerbsarbeit vor.
Diese Erzählung ist nicht neu – dennoch ist bemerkenswert, wie hartnäckig sie sich trotz gegenteiliger empirischer Evidenz hält – und wie stark sie politische Entscheidungen prägt. Der folgende Beitrag greift die Befunde einer Studie der Autor:innen auf, die vor Kurzem in Heft 4/2025 der Vierteljahreshefte zur Arbeits- und Wirtschaftsforschung erschienen sind(Öffnet in einem neuen Fenster) und ordnet sie politisch ein. Er zeigt, warum der Mythos vom „arbeitsunwilligen Arbeitslosen“ weniger über die Realität von Erwerbslosigkeit aussagt als über das sozialpolitische Leitbild, das ihn hervorbringt.
